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Festwoche zum 100. Weihe-Jubiläum der Ez-Chaim-Synagoge

Der Standort der 1938 in der Reichspogromnacht zerstörten Ez-Chaim-Synagoge ist ein verlorener Ort ohne Hinweise auf die Synagoge und eine der Stationen des in Planung befindlichen "Leipziger Notenbogens". Es war die größte orthodoxe Synagoge Sachsens und gab Tausenden Juden Heimat, die vor den Pogromen geflohen waren, die Ende des 19. Jahrhunderts in Osteuropa einsetzten. Diese Juden waren weitgehend rechtlos. Die Synagoge, in der in ihrer Muttersprache Jiddisch gepredigt wurde, war der einzige Ort, der ihnen innere Heimat gab. Der 100. Jahrestag der Einweihung am 10. September 1922 ist der Anlass, in Kooperation mit dem Bürgerverein Kolonnadenviertel und in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde / Zsolt Balla sowie dem Ariowitsch-Haus / Küf Kaufmann, dem Verlag Hentrich & Hentrich, dem Netzwerk Jüdisches Leben in Sachsen, aber auch dem Landesamt für Schule und Bildung und mit Unterstützung des Schauspiel Leipzig, den verlorenen Ort als Erinnerungsort wiederzugewinnen und zum Jubiläum zu würdigen.

Der Einsatz für den Erinnerungsort ist gleichzeitig ein Bekenntnis dafür, sich nicht mit der Zerstörung von Synagogen, Fluchterfahrungen jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger und der Auslöschung jüdischen Lebens abzufinden, sondern uns dafür einzusetzen, jüdischem Leben in Deutschland einen sicheren und geachteten Platz zu geben.

Die Baugeschichte der Ez-Chaim-Synagoge beginnt mit der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbeausstellung (STIGA) 1897. Die dortige Ausstellungshalle für Fahrräder wurde nach Abschluss der STIGA in das Kolonnadenviertel umgesetzt, dort später in eine Turnhalle umgewidmet und schließlich in die Ez-Chaim-Synagoge umgebaut. Wir begehen 2022 damit nicht nur das 100. Jubiläum der Ez-Chaim-Synagoge, sondern auch das125-jährige Jubiläum der STIGA.

Programm der Festwoche

So, 4.9.2022: Eröffnungsveranstaltung im Ariowitsch-Haus (Musik, Lesung aus Erinnerungen von Zeitzeugen, Grußworte)

Mo, 5.9.2022: Vortrag Geschichte der Ez-Chaim-Synagoge, Einbeziehung von Beiträgen aus studentischen Arbeiten

Di, 6.9.2022: Lesung und Musik zu Essen und Feiern in orthodoxer Tradition; in Kooperation mit dem Verlag Hentrich & Hentrich und dem Netzwerk Jüdisches Leben in Sachsen

Mi, 7.9.2022: Veranstaltung zum Erinnerungsort Ez-Chaim-Synagoge für die nächste Generation: Geschichten, Hörstücke, Videos

Do, 8.9.2022: Vortrag zur Enteignung jüdischer Bürger in Leipzig

Fr, 9.9.2022: Liberale Synagoge Gottschedstraße grüßt orthodoxe Ez-Chaim-Synagoge; Musikalisch-literarisches Konzert des Leipziger Synagogalchors mit Lesung von Texten über den Oberkantor Samuel Lampel

Sa, 10.9.2022: Bürgerbegegnung im Kolonnadenviertel; am Abend Theater und Musik zur Ez-Chaim-Synagoge

So, 11.9.2022: Liturgische Feier am ehem. Standort der Ez-Chaim-Synagoge in orthodoxer Tradition (mit Zsolt Balla)

(Stand: 10. Januar 2022)

Projektreihen in Vorbereitung des Jubiläums

  • Veranstaltungsreihen mit Seniorenbüros sowie Anwohner:innen des Kolonnadenviertels
  • Entwicklung von Audiobeträgen mit Leipziger Schulen zu 11 jüdischen Stationen des Leipziger Notenbogens, darunter auch zur Ez-Chaim-Synagoge
  • Workshops mit Schulen zur jüdischen Kultur, zur Ez-Chaim-Synagoge und zu den Themen Erinnerungskultur und Antisemitismus

Veranstalter: Notenspur Leipig e.V., Bürgerverein Kolonnadenviertel

Projektpartner: Ariowitsch-Haus, Israelitische Religionsgemeinde, Netzwerk jüdisches Leben in Sachsen, Schauspiel Leipzig, Verlag Hentrich & Hentrich

Schirmherr: OBM Burkhard Jung