Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur

Europäische Notenspuren

Der Ausgangspunkt: Europa in Leipzig – Von Leipzig nach Europa

Knotenpunkt Leipzig

Maßgeblich geprägt wurde die Geschichte Leipzigs durch seine Rolle als europäischer Handelsplatz. Am Schnittpunkt der bedeutenden europäischen Handelswege Via Regia – in Ost-West-Richtung von Russland zum Atlantik – und Via Imperii – in Nord-Süd-Richtung vom Ostseeraum zum Mittelmeerraum – gelegen, wirkte die Stadt als Magnet für Menschen und Güter aus ganz Europa. Dadurch entstand nicht nur ein europäischer Knotenpunkt für Waren, sondern auch ein Umschlagplatz für Ideen und Kultur.

Leipzig als musikalischer Anziehungspunkt und Impulsgeber in Europa

Im Gegensatz zu den Residenzstädten gestalteten die Bürger selbst die kulturelle Entwicklung der Stadt. Wie bei nur wenigen Städten diente und dient in Leipzig die Musik als Vermittlungs- und Identitätsmedium der Stadtgesellschaft. Über Jahrhunderte war Leipzig deshalb Anziehungspunkt und Ausstrahlungsort für Musikerinnen und Musiker und für Musikinstitutionen, hat vom Kulturaustausch in Europa profitiert und ihn gleichzeitig befördert. Ohne diesen musikalischen Austausch mit Europa gäbe es die Musikstadt Leipzig nicht.

Anknüpfungspunkte für europäische Aktivitäten

Mit dem Projekt „Europäische Notenspuren“ strahlt diese Leipziger Tradition des musikalischen Teilens hinein nach Europa. In der Geschichte der Musikstadt Leipzig gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für europäische Aktivitäten wie z.B.:

  • Studierende des Leipziger Konservatoriums kamen aus ganz Europa und befruchteten danach die Musikentwicklung in ihren Ländern
  • Leipziger Komponisten (Mendelssohn, Clara Schumann, Wagner und Grieg) unternahmen ausgedehnte Konzertreisen durch Europa
  • Leipziger Musikinstitutionen (Musikverlage, Gewandhaus, Konservatorium, Thomaner) strahlen auf Europa aus durch Notenexport, Gastspiele und Meisterkurse
  • Ein gegenseitiger musikalischer Austausch von Leipziger Komponisten mit Kollegen in ganz Europa (z.B. Einfluss italienischer und französischer Komponisten auf Bach) findet/fand statt

Anliegen des Projektes „Europäische Notenspuren“

Gelebtes kulturelles Erbe kann Werte vermitteln, die wichtig für unser Zusammenleben in Europa sind. Durch Musik haben wir schon immer eine gemeinsame Sprache gesprochen. Das Projekt „Europäische Notenspuren“ stellt die verbindende Kraft der Musik in Europa in den Mittelpunkt. Es vermittelt, dass nationale kulturelle Werte zum einen die Identifikation mit dem Gemeinwesen stärken und die Übernahme von Verantwortung fördern. Zum anderen sind sie wertvolle Güter des interkulturellen Austauschs und verbinden Menschen.
Das Verhältnis von nationaler Identität und gemeinsamen europäischen Werten und die Frage der Bürgerpartizipation an den gesellschaftlichen Prozessen werden in allen Ländern Europas intensiv diskutiert. Diese Thematik spiegelt sich in allen Projektaktivitäten wider.
Kernidee des Projektes ist ein gegenseitiger künstlerischer Austausch mit wechselnden Partnerländern sowie die Erschließung neuer Interessenten für das durch Leipzig pars pro toto repräsentierte europäische Kulturerbe. Wichtiges Kennzeichen des Projektes ist die aktive Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürgern der beteiligten Länder als Multiplikatoren des gemeinsamen Kulturerbes. Auf Grundlage der musikhistorischen Hintergründe entwickeln die Partnerinstitutionen aus drei Ländern eine Reihe von Aktivitäten, die sich auf die Diversifizierung des Publikums sowie die transnationale Mobilität konzentrieren.

Meilensteine für die Entwicklung des Projektes „Europäische Notenspuren“

Europäisches Kulturerbe-Siegel 2018
2018 wurde der Notenspur Leipzig e.V. im Verbund mit neun authentischen Musikerbe-Stätten mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Das Projekt „Europäische Notenspuren“ war Bestandteil der erfolgreichen Bewerbung.

Europäisches Kulturerbe-Jahr 2018
Um die Bedeutung der Kultur für ein gemeinsames Europa zu betonen, hat die EU für 2018 das Europäische Kulturerbe-Jahr ausgerufen. Das Projekt „Europäische Notenspuren“ gehörte zu den von Kulturstaatsministerin Grütters ausgewählten Projekten, mit denen sich Deutschland dabei präsentierte.

Projektauftakt war eine Ausstellung mit dem Titel „Europäische Notenspuren“. Die deutsch-englische Ausstellung wurde erstmals im November 2017 im Neuen Rathaus Leipzig gezeigt und war im März und April 2018 in erweiterter Form in den Promenaden Hauptbahnhof Leipzig zu sehen. Im November 2018 wurde sie auf der "Denkmal – europäische Leitmesse für Denkmalpflege, Restaurierung & Altbausanierung" präsentiert, und vom 8. bis 17. Oktober 2019 wurde sie in Brüssel (ergänzt um eine französischsprachige Ausstellungsbroschüre) im Königlichen Museum für Kunst und Geschichte gezeigt.

Förderung im EU-Programm Creative Europe Logo Creative Eupope
Ebenfalls seit 2018 wird das Projekt „Europäische Notenspuren“ durch die EU im Programm „Creative Europe“ gefördert. Dies ermöglicht einen wechselseitigen kulturellen Austausch sowie die gemeinsame Publikumsentwicklung mit mehreren Partnerländern auf Augenhöhe.

Festival Europäische Notenspuren – Brücken bauen

2018 wurde zum ersten Mal das viertägige Festival „Europäische Notenspuren – Brücken bauen“ durchgeführt. Kern des Festivals, das im November vom Buß- und Bettag am Mittwoch bis zur Notenspur-Nacht der Hausmusik am darauffolgenden Samstag stattfindet, sind Gastspiele und der Austausch junger Musikerinnen und Musiker am Übergang zur professionellen Berufslaufbahn aus ganz Europa, die mit Hilfe eines Auswahlverfahrens über europäische Musikhochschulen, die Partnerstädte Leipzigs oder auch andere internationale Projektpartner der Europäischen Notenspuren ausgewählt und eingeladen werden, sowie deren Begegnung mit Leipziger Bürgerinnen und Bürgern. Neben einem gemeinsamen Gedenkkonzert am Buß- und Bettag an einem geschichtsträchtigen Ort spielen die jungen Musikerinnen und Musiker unter der Woche Konzerte in den Leipziger Musikerbe-Stätten des Europäischen Kulturerbe-Siegels und besuchen Schulklassen im Unterricht. Zum Abschluss des Festivals nehmen alle an der Notenspur-Nacht der Hausmusik teil, bei der sie in Privatwohnungen oder Ateliers, Büros oder Läden spielen und so in einen intensiven Austausch mit den Leipziger Bürgerinnen und Bürgern treten. 2020 und 2021 konnte das Festival aufgrund der Corona-Pandemie nicht durchgeführt werden. Das nächste Mal soll „Brücken bauen“ im November 2022 stattfinden.

Projektphase I 2018–2020: Litauen, Norwegen, Deutschland

Erste Partnerländer für die „Europäischen Notenspuren“ 2018–2020 konnten in Litauen (Nationalkomponist M. K. Čiurlionis) und Norwegen (Nationalkomponist E. Grieg) gefunden werden. Die Partnerinstitutionen waren:

Notenspur Leipzig e.V., Leipzig/Deutschland

M.K. Čiurlionis House, Vilnius/Litauen: https://mkcnamai.lt/lt/

MB Classics – Opus, Oslo/Norwegen: https://www.o-opus.no/

 

Thematisch drehte sich dieses erste europäische Kooperationsprojekt um drei Komponisten, die alle mit Leipzig verbunden sind. Edvard Grieg (Norwegen, 1843–1907) und Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (Litauen, 1875–1911) haben in Leipzig am Konservatorium der Musik (heute Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“) studiert und sind danach in ihre Heimat zurückgekehrt. Sie haben nicht nur die musikalische Geschichte Leipzigs bereichert – Grieg sogar bis an sein Lebensende durch regelmäßige längere Aufenthalte und die Exklusivbindung an den C.F. Peters Musikverlag – sondern auch die kulturelle Entwicklung in ihren eigenen Ländern stark beeinflusst. Sie haben die Volksmusik ihrer Länder aufgenommen und sie mit der mitteleuropäischen Musiksprache und den Kompositionsmethoden, die sie in Leipzig kennengelernt haben, verbunden. Die Pianistin und Komponistin Clara Schumann (Deutschland, 1819–1896) hat am Leipziger Konservatorium gelehrt und unternahm bereits zwischen ihrem 12. und 18. Lebensjahr mit ihrem Vater fünf Konzertreisen ins europäische Ausland. Es sollten noch viele folgen, allein 19 nach England, weitere führten sie nach Belgien, Holland und in die Schweiz. Damit steht sie beispielhaft für einen Austausch auf europäischer Ebene und dies bereits im 19. Jahrhundert.
Edvard Grieg, Mikalojus Konstantinas Čiurlionis und Clara Schumann sind deshalb Repräsentantinnen und Repräsentanten des gemeinsamen musikalischen Erbes Europas. Dieses Erbe auch gemeinsam zu teilen, ist – neben dem Austausch zwischen den heutigen Musikerinnen und Musikern sowie Musikliebhaberinnen und Musikliebhabern – ein wichtiges Ziel des Projektes „Europäische Notenspuren.”

Projektphase II 2022–2024: Polen, Frankreich, Deutschland

Ab Frühjahr 2022 soll sich das Projekt „Europäische Notenspuren“ in seinem zweiten europäischen Kooperationsprojekt mit dem berühmten Leipziger Komponisten Johann Sebastian Bach und der Kunst der Bewegung beschäftigen. Während Musiker in späteren Jahrhunderten viel durch Europa reisten, um Konzerte zu spielen und neues Publikum zu gewinnen, blieb Bach fast ausschließlich im mitteldeutschen Raum, wurde aber wie seine Musikerkollegen des 18. Jahrhunderts Antonio Vivaldi, Domenico Scarlatti, François Couperin und Jean-Philippe Rameau stark von anderen europäischen Komponisten und dem, was in Europa zu dieser Zeit populär war, beeinflusst. Während Bachs Schaffensperiode spielten Tanz und Tanzmusik aus Frankreich eine wichtige Rolle an den Adelshöfen und in den Bürgerhäusern in ganz Europa und beeinflussten Bachs Werke stark. Ziel des Projekts ist es, die Einflüsse internationaler Komponisten auf Bachs Werke sowie seinen Einfluss auf internationale Komponisten zu untersuchen und die Wege zu verfolgen, auf denen sich Kultur damals in Europa verbreitet hat. Da die Fragen des Kulturaustausches und der Kulturverbreitung in Europa gegenwärtig ebenso aktuell sind, werden in die Projektarbeit auch heute populäre Künste wie Hip Hop und Poetry Slam einbezogen.

Auf der Grundlage dieses historischen Hintergrunds konnten zwei neue Partnerinstitutionen gewonnen werden, um eine Reihe von Aktivitäten zu entwickeln, die sich auf die Diversifizierung des Publikums sowie die transnationale Mobilität konzentrieren und Bachs Barockzeit mit unserer Gegenwart und mit modernen Musik- und Bewegungsformen verbinden. Die Partnerinstitutionen sind:

Notenspur Leipzig e.V., Leipzig/Deutschland

Festiwal Bachowski, Świdnica/Polen: http://bach.pl/

Le Concert de l'Hostel Dieu, Lyon/Frankreich: http://www.concert-hosteldieu.com


Das Projekt wurde im Zeitraum 2017–2019 im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

2017–2019 gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

2018–2020 gefördert vom Programm Creative Europe der Europäischen Union.