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Station 05 - Wohnhaus von Albert Lortzing

Gustav Albert Lortzing (1801-1851) wird bis heute gern als musikalischer Spaßmacher gesehen, als unbekümmert-heiter schaffender "Biedermeier"-Komponist. An diesem Bild ist gut 150 Jahre gearbeitet worden, indem man die Texte entschärfte und die Zeitkritik herausbügelte. Seine musikalischen Motive, Ideen und Figuren sind trotzdem gern und ungefragt von anderen "Tondichtern" übernommen worden, u.a. von Wagner.

Albert Lortzing trat am 1. November 1833 sein Engagement am Leipziger Theater unter Direktor Ringelhardt an. In Leipzig hat Lortzing mehr als zwölf Jahre als Schauspieler, Sänger, Regisseur und Kapellmeister gelebt und hier seine wichtigsten Bühnenwerke geschrieben. "Czaar und Zimmermann", uraufgeführt am  22. Dezember 1837  im  Alten Theater auf der Rannischen (Ranstädter) Bastei, ist sein wohl bekanntestes. Und kaum ein Verein, in dem er nicht Mitglied war. Die Freimaurerloge "Balduin zur Linde", der "Literatenverein", der "Schillerverein", der "Tunnel über der Pleiße". Im "Tunnel", der über Jahre im "Hôtel de Pologne" in der Hainstraße tagte, wirkten auch Friedrich Hofmeister und Heinrich Marschner, Friedrich Wieck und Heinrich Laube, Anton Philipp Reclam und Rosalie Wagner. Als in jenen Jahren der "Metternich-Ära" politische Betätigung wenn nicht gänzlich verboten, so doch stark eingeschränkt war, fand man sich in solchen scheinbar apolitischen geselligen Vereinen. Und Albert Lortzing nutzte seinen Wortwitz auch für Zeitkritik auf der Bühne.

Am 1. Mai 1845 wird dem Kapellmeister Lortzing vom neuen Theaterdirektor Dr. Karl Christian Schmidt gekündigt. Lortzing kopiert in Lohnarbeit Orchester- und Gesangsstimmen aus Opern, wirkt als Gastdirigent. Im April 1846 geht er als Kapellmeister nach Wien, ans "Theater an der Wien". Ende September kommt die Familie nach. Infolge der Revolutionsereignisse wird dort 1848  der Opernbetrieb eingestellt. Sein neues Engagement in Leipzig vom September 1849 kündigt Lortzing schon am 1. November selbst aufgrund von Intrigen gegen ihn - und geht schließlich 1850 an das Berliner Friedrich-Wilhelmstädtische Theater (heute: Deutsches Theater).

Am Haus "Große Funkenburg" kündet eine Gedenktafel von  Lortzings Wohnung im ehemaligen Gartenhaus während seiner gesamten Leipziger Zeit. Das ist nachweislich falsch. Briefe, Adressbücher

u.a. Dokumente belegen, dass er hier erst ab Herbst 1844 für eineinhalb Jahre gewohnt hat, gerade zum Kapellmeister befördert. Seine erste Adresse war "Naundörfchen Nr. 1008" von 1833 bis 1838, hinter der heutigen Feuerwache, die zweite Haus Nr. 1086 an der Frankfurter Straße, rechts neben der Funkenburg. 1849, nach dem der Revolutionszeit geschuldeten Debakel in Wien, wohnte er nochmals in Leipzig, in der Tauchaer Straße 2 (heute: Rosa-Luxemburg-Straße).

Wohnhaus von Albert Lortzing, Funkenburgstraße 8, 04105 Leipzig

Abb: Albert Lortzing um 1845, Lithographie Schlick