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Station 02 - Standort Altes Theater

Leipzig hatte bis 1693 kein eigenes Theater. Nicolaus Adam Strungk, ehemals Hofkapellmeister am Dresdner Hof, erhielt 1692  vom  sächsischen Kurfürsten Johann Georg  IV. das Privileg für Opernaufführungen in Leipzig. Er pachtete ein Grundstück (Nr. 495) am nordöstlichen Brühl, heute etwa das Areal der neuen "Ritterpassage", und ließ ein großes Holzgebäude von 40 m Länge und 15 m Tiefe mit zwei Obergeschossen und amphitheaterähnlichem Zuschauerraum bauen. Es war das zweite Opernhaus in Deutschland nach Hamburg. Am 8. Mai 1693 fand die Eröffnungspremiere mit Strungks Oper "Alceste" statt. Gespielt wurde nur während der drei Messen, d.h. ca. 50 Vorstellungen pro Jahr. Die Oper konnte auch aufgrund eines hohen Pachtgeldes nicht wirtschaftlich betrieben werden, so dass sich Strungk, seine Partner und seine Nachkommen hoch verschuldeten. Georg Philipp Telemann spielte, sang, dirigierte hier drei Jahre und schrieb für das Haus mehr als zwei Dutzend Opern. 1720 wurden die Vorstellungen wegen Baufälligkeit eingestellt, 1729 erfolgte der Abriss des Gebäudes. Danach spielten die wandernden Schauspielertruppen in einer Theaterbude vor dem Peterstor, im Reithaus vor dem Rannischen Tor, in den großen Barockgärten oder in Zotens Hof (später Quandts, heute Oelßners Hof, Nikolaistraße 24). Erst 1764 plante der Festungsbaumeister Georg Rudolf Fäsch mit seinem Logenbruder Gottlieb Benedict Zemisch die "Anlegung eines Concertsaales" auf der vom Prinzen Xaver geschenkten Ranstädter Bastei. Zemisch, der schon 1743 u.a. mit den Logenbrüdern ("Minerva zu den drey Palmen") Schwabe und Gleditsch das "Große Concert" gegründet und dafür auf seine Kosten einen Saal im Hof der "Drei Schwanen" am Brühl hatte ausbauen lassen, ließ auf dem geschenkten Grundstück ein "Komödienhaus" bauen. Die Eröffnung am 10. Oktober 1766 fand zur Michaelismesse mit Johann Elias Schlegels Tragödie "Hermann" statt. Der Rauchwarenhändler und Freimaurer Gottlieb Benedict Zemisch verschuldete sich in den folgenden zwei Jahrzehnten, vor allem aufgrund seines Mäzenatentums, derart, dass er 1778 seine Handlung aufgeben musste, sein Haus Katharinenstraße 21 verlor und das Komödienhaus an seine Frau überschreiben musste. Im gleichen Jahr endete   auch   das "Große Concert" –  offensichtlich aus den gleichen Gründen. Das Komödienhaus war bis ins 19. Jahrhundert fast alleinige Spielstätte für Opern- und Schauspielaufführungen. 1813/14 war E.T.A. Hoffmann hier engagiert, als Musikdirektor der Joseph Secondaschen Operntruppe. Albert Lortzing (s. Notenbogen-Station 5) wirkte am Leipziger Stadttheater als Schauspieler, Sänger und Kapellmeister. Sein "Czaar und Zimmermann" ist hier am 22. Dezember 1837 uraufgeführt worden, 1840 auch "Hans Sachs", "Der Wildschütz" 1842 u.a. – die Mehrzahl seiner in Leipzig entstandenen Opern und Singspiele. Die romantische Oper "Der Vampyr" von August Heinrich Marschner (s. Notenbogen-Station 3) wurde im März 1829 hier uraufgeführt. Richard Wagner, dessen Schwester Rosalie Schauspielerin am Theater war, hatte mit seinen frühen Werken in Leipzig keinen im positiven Sinne nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Erst am 31. Januar 1853 stand ein Bühnenwerk von ihm auf dem Spielplan, der "Tannhäuser", dem ein Jahr später der "Lohengrin" und 1862 "Der fliegende Holländer" folgte. Schon Wagners Vater war ein großer Theaterfreund und verbrachte erhebliche Zeit mit den Schauspielern und Sängern, darunter E.T.A. Hoffmann – u.a. in  der "Grünen Linde", "Kalte Wurst" genannt, am   Peterssteinweg. 1868 wurde das "Neue Theater" am Augustusplatz eröffnet (s. Notenspur-Station 10). Das Komödienhaus nannte man nunmehr das "Alte Theater". Beide wurden 1943  durch einen Bombenangriff zerstört.

Standort Altes Theater, Richard-Wagner-Platz, etwa in Höhe der Straßenbahnhaltestelle
Abbildung: Altes Theater um 1830, Carl Hanisch

Internet: Altes Theater Leipzig