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Schneeblumen-Lesung am 29. Mai, 18 Uhr, im Kolonnadenviertel

Schauspielerin Annett Renneberg liest aus den Erinnerungen der Holocaust-Überlebenden Zahava Szász Stessel, Konstanze Pietschmann (Cello) spielt jüdische Musik

Im Rahmen von „Leipzig liest extra“ lädt der Notenspur-Verein gemeinsam mit dem Verlag Hentrich & Hentrich und dem Bürgerverein Kolonnadenviertel am 29. Mai, 18 Uhr, zu einer Lesung aus dem Buch „Schneeblumen“ ein.

Es ist eine Open Air Lesung ganz in der Nähe der beiden 1938 zerstörten größten Leipziger Synagogen, der liberalen Hauptsynagoge an der Gottschedstraße und der orthodoxen Ez Chaim Synagoge an Apels Garten. Ort und Open-Air-Format sind bewusst gewählt. Notenspur-Initiator Werner Schneider unterstreicht: „Angesichts der gegenwärtigen antisemitischen Ausschreitungen ducken wir uns nicht weg und lassen uns nicht einschüchtern, weder von schrillen, noch von bösartigen Tönen. Gerade jetzt zeigen wir öffentlich Gesicht für unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wir sind dankbar, dass es nach all dem Schlimmen, das vor weniger als 100 Jahren in Deutschland passiert ist, heute wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt.“

Die Veranstaltung ist einer der Beiträge, die der Notenspur-Verein unter dem Titel „Jüdische Notenspuren“ im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ beisteuert.

Das Schneeblumen-Buch, das im April 2021 in Herausgeberschaft des Notenspur Leipzig e.V. im Verlag Hentrich & Hentrich erschienen ist, erzählt die berührende Geschichte einer Überlebenden des KZ-Buchenwald Außenlagers Markkleeberg, Zahava Szász Stessel. Ort der Lesung ist die Grünfläche zwischen Zentralstraße und Nikischplatz. Es liest Annett Renneberg, als Signorina Elettra aus den Donna-Leon-Verfilmungen und als Sachsenklinik-Ärztin Dr. Maria Weber vielen bekannt. Sie hat sich intensiv mit dem Schneeblumen-Buch befasst und die Textauswahl selbst erarbeitet. „‚Schneeblumen‘ ist ein Text, der Schullektüre werden sollte.“, meint Renneberg. „Wir, die Nachgeborenen und alle kommenden Generationen, haben die Aufgabe und Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass die Leiden und Schmerzen und die erschütternden geschilderten Verbrechen nicht vergessen werden.“

Weil Musik den gefangenen Frauen – die meisten von ihnen ungarische Jüdinnen, die den Gaskammern in Auschwitz entronnen waren – Hoffnung und Kraft vermittelt hat, wird zwischen den Lesungen jüdische Musik erklingen, gespielt von der Cellistin Konstanze Pietschmann.

Mehr als 50 Jahre nach ihrer Gefangenschaft als 15jährige Zwangsarbeiterin im KZ Buchwald-Außenlager Markkleeberg begann die ungarische Jüdin Zahava Szász Stessel, ihre Erinnerungen an diese Zeit tiefster Erniedrigung und zugleich kostbarer Erfahrungen menschlicher Anteilnahme aufzuschreiben. Sie erzählt, dass selbst unter den unmenschlichen Verhältnissen menschliche Werte und Solidarität nicht ausgelöscht werden konnten, gleichsam wie „Schneeblumen“ unter Eis und Schnee, und bricht das Schweigen, um ihren verlorenen Eltern und Großeltern, aber auch den durch die Verfolgung nicht geborenen Kindern eine Stimme zu geben. „Diese Stimmen sollen gehört werden, um die Werte der jüdischen Welt vor dem Vergessen zu bewahren.“

Am 13. April 1945 wurde das Lager von der SS vor den heranrückenden Alliierten geräumt. Die ausgezehrten Frauen wurden auf einen kräftezehrenden Marsch in Richtung Theresienstadt getrieben. Für viele von ihnen war es ein Marsch in den Tod, aber für die meisten von ihnen – auch für die Autorin – ein beschwerlicher Weg in ein neues Leben in Freiheit.

So liegt über dieser Lesung nicht nur Mahnung, sondern auch Hoffnung.

Karoline Konrad, Koordinatorin des Projektes „Jüdische Notenspuren“, freut sich auf die Lesung: „Endlich können wir den Auftakt zum Projekt „Jüdische Notenspuren - Miteinander in Leipzig“ auch in der Öffentlichkeit begehen. Wir erwarten einen berührenden Abend mit der besonderen Atmosphäre von Live-Veranstaltungen, die solange nicht möglich waren.“

Der Eintritt ist frei. Voraussetzung für einen Besuch ist die vorherige Anmeldung unterkonrad@notenspur-leipzig.de (bis 28.5.21) oder 0176 63135967 (bis 29.5.21, 12 Uhr). Die Teilnahme an der Lesung ist nur unter Beachtung der aktuellen Corona-Schutzverordnung möglich (Vorlage eines negativen Testergebnisses oder Vergleichbares, Mund-Nasen-Bedeckung, Einhaltung der Abstandsregeln).

Eine Regenvariante in der Nähe steht zur Verfügung. Aktuelle Informationen unter: https://notenspur-leipzig.de/jns

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Anlage, Abdruck frei:

Bilddatei: H+H_Schneeblumen_Gestaltung_Gudrun_Hommers_sm.jpg
Nutzungsrechte: Verlag Hentrich & Hentrich
Titel: Cover Schneeblumen-Buch, Gestaltung Gudrun Hommers, Verlag Hentrich & Hentrich, Herausgeber Notenspur Leipzig e.V.

Bilddatei: Elza_Reich_Scan_Graustufen_sm.jpg
Nutzungsrechte: Zahava Szász Stessel

Titel: Elza Reich, „Lagerschwester“ der Autorin; Foto aus der Zeit vor der Deportation 1944

Von:
Notenspur Leipzig e.V.
Wintergartenstraße 2

04103 Leipzig


Kontakt:
Prof. Dr. Werner Schneider, Vorstandsvorsitzender
E-Mail: schneider@notenspur-leipzig.de, Tel. 0341/9733741
Karoline Konrad, Projektkoordinatorin
E-Mail: konrad@notenspur-leipzig.de, Tel. 0176/63135967

 

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Prof. Dr. Werner Schneider
Vorstandsvorsitzender Notenspur Leipzig e.V.

Kontaktdaten: notenspur-leipzig.de/kontakt/

Vorhaben im Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ unter www.notenspur-leipzig.de/jns

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