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Die Liste der Komponisten wird laufend ergänzt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ignaz Moscheles (23.05.1794–10.03.1870)

Ignaz Moscheles war Pianist, Komponist, Dirigent und Klavierlehrer und zählte zu den bekanntesten Musikern des 19. Jahrhunderts. Von 1846 bis zu seinem Tod wohnte er in Leipzig.

  1. Lebensstationen
  2. Privates
  3. Verbindung zu Leipzig
  4. Rezeption
  5. Werke
  6. Quellen und Links

1. Lebensstationen

Ignaz [Isaak] Moscheles wurde am 24. Mai 1794 als Sohn jüdischer Eltern in Prag geboren. Sein Vater Moses Joachim, von Beruf Kaufmann, unterrichtete ihn in Gesang und Gitarre. Klavierunterricht bekam er durch die Lehrer Zahrádka und Hozalsky. Von 1804 bis 1808 unterwies ihn der Organist und Komponist F. D. Weber, der später Direktor des neu gegründeten Konservatoriums in Prag wurde. Meisterhaft spielte Moscheles Kompositionen von Mozart und begann mit 8 Jahren selbst zu komponieren. Seine Werke führte erin öffentlichen Konzerten auf. Ermutigt durch diese Erfolge zog die Familie 1808 nach Wien, um dem jungen begabten Musiker eine Ausbildung bei J. G. Albrechtsberger und A. Salieri zu ermöglichen. Dort genoss er große Beliebtheit, rivalisierte mit Giacomo Meyerbeer, der ebenfalls ein ausgezeichneter Klaviervirtuose war. Besonders stark beeindruckte Moscheles die Begegnung mit L. v. Beethoven, der ihn in Briefen einen Freund nannte. Von ihm erhielt er den Auftrag, einen Klavierauszug von seiner Oper Fidelio anzufertigen. Außerdem gab er später Werke von Beethoven heraus und übersetzte A. F. Schindlers Beethovenbiografie ins Englische.

Von Wien aus unternahm er von 1810 bis 1820 Konzerttourneen, die ihn nach Deutschland, Frankreich, England, die Niederlande und Österreich führten. 1821 berief man ihn als Professor nach London, um an der Royal Academy of Music zu lehren und an der Royal Philharmonic Society zu dirigieren. Dort traf er auf berühmte Pianisten wie M. Clementi, J. Field, F. W. Kalkbrenner, J. B. Cramer und ging auf Gastspielreisen nach Mittel- und Westeuropa. 1824 lernte er in Berlin die Familie Mendelssohn kennen.

1825 heiratete Moscheles Charlotte Emden, mit der er nach London übersiedelte. Von ihren vier Kindern erhielt der Sohn den Namen Felix, zur Freude seines späteren Patenonkels Mendelssohn. Konzertreisen wurden zu gegenseitigen Besuchsreisen nach Berlin und London, später nach Leipzig genutzt. Zahlreiche Musiker gehörten zu Moscheles‘ Bekanntenkreis, wie F. Chopin, F. Liszt, J. N. Hummel, C. und R. Schumann. Robert Schumann rezensierte regelmäßig seine Kompositionen und Auftritte in der Neuen Zeitschrift für Musik.

1845 wurde Moscheles auf Drängen Mendelssohns ans 1843 gegründete erste deutsche Konservatorium nach Leipzig berufen. Im Oktober 1846 siedelte er mit seiner Familie nach Leipzig über, und übernahm die Leitung der Klavierklasse am Konservatorium.

Am 10. März 1870 starb der „Kammervirtuos Sr. Durchl. des Fürsten Paul Esterhazy“ und “Ehrenmitglied der Königl. Academie der Musik zu London“ in Leipzig.

2. Privates

1824 führte ihn eine Tournee nach Berlin, wo er zum ersten Mal die Familie Mendelssohn besuchte. Lea Mendelssohn bat den Virtuosen, ihren Kindern Fanny und Felix Klavierunterricht zu erteilen. Die Unterweisung währte nur kurz, da beide Kinder bereits so reiche Erfahrungen hatten und in ihrer Entwicklung so weit waren, dass Moscheles ihnen nicht mehr viel vermitteln konnte, zumal nicht das, was sie nur durch Spielpraxis erwerben würden. Seit dieser Zeit begann eine enge, herzliche Freundschaft zum 16 Jahre jüngeren Felix Mendelssohn.

Im Januar 1825 führte ihn eine Konzertreise nach Hamburg. Im Apollosaal saß unter den Zuhörern Charlotte Emden, mit der er in den folgenden Tagen näher bekannt wurde. Kurz darauf, am 1. März fand die Hochzeit statt. Vier Kinder gingen aus dieser Ehe hervor: Emily, Serena, Clara und Felix. Ignaz Moscheles war oft auf Reisen und schrieb seiner Familie fast täglich Briefe, verzeichnete sorgfältig Details. Aus der Korrespondenz sowie aus seinen Tagebüchern stellte Charlotte Moscheles eine Biografie zusammen, die sie in zwei Bänden veröffentlichte.

Nachdem die Familie Moscheles 1846 nach Leipzig gezogen war, pflegten Moscheles und Mendelssohn engen Kontakt. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, denn Mendelssohn starb nach schwerer Krankheit am 4. November des darauffolgenden Jahres. Moscheles gab in seinem Tagebuch über die letzten Lebenstage seines Freundes und die Anteilnahme des Freundeskreises an dessen Tod genau Auskunft.

Überliefert ist seine allgemeine optimistische Lebenseinstellung, die auch auf das familiäre Umfeld, besonders seine Enkel ausstrahlte.

3. Verbindung zu Leipzig

Im Herbst 1816 kam Moscheles zum ersten Mal nach Leipzig, besuchte Konzerte, hörte den Thomanerchor, traf Thomaskantor Schicht und den Klavierexperten F. Wieck. Sein erstes eigenes Konzert mit Klaviervorträgen, darunter die Alexander-Variationen, hatte enthusiastischen Erfolg. In den Jahren ab 1824 (1826, 1832, 1835, 1845) trat er in Gewandhauskonzerten auf, intensivierte Kontakte zu Künstlern, Musikalienhändlern, Verlegern und besuchte Theateraufführungen.

1846 übernahm Moscheles eine Klavierprofessur am Leipziger Konservatorium. Er siedelte mit seiner Familie von London nach Leipzig über und wohnte in Gerhards Garten. Von 1853 bis 1870 war der Wohnsitz in der Dresdner Str. 28 [heute Nr. 17].

In Leipzig wirkten am Konservatorium zu dieser Zeit berühmte Musiker wie M. Hauptmann, F. David, N. Gade, C. F. Becker, M. Klengel. Das Ehepaar Schumann war bereits 1844 nach Dresden verzogen.

Nach dem Tod Mendelssohns 1847 und in dessen Sinne ging Moscheles weiter seiner pädagogischen Tätigkeit am Konservatorium nach. Auch in den folgenden Jahren war er als aufgeschlossener, pflichtbewusster Lehrer gefragt. Zahlreiche Studenten hatte er ausgebildet, wobei zu den bekanntesten zählten Z. Fibich, A. Sullivan und E. Grieg.

Wie aus seinen Briefen zu erfahren ist, nahm er großen Anteil am Leipziger Musikleben und besprach Kompositionen und Aufführungen. In seinem Haus empfing er zahlreiche bekannte Musiker, wie A. Rubinstein und Th. Täglichsbeck, aber auch junge Musiktalente aus Deutschland, England und Amerika.

Obwohl er keine öffentlichen Auftritte mehr wahrnehmen wollte, verpflichtete er sich, im Konzert des Orchester-Pensionsfonds aufzutreten. Am 19. Dezember 1861 spielte er mit großer emotionaler Anteilnahme gemeinsam mit Clara Schumann und C. Reinecke das im Gewandhaus noch nicht gehörte Concert C-Dur für 3 Flügel von J. S. Bach.

 

4. Rezeption

Das künstlerische Schaffen Moscheles‘ war in seiner ersten Lebenshälfte durch pianistische Brillanz geprägt. Auf seinen Reisen wurde er vielfach für sein Virtuosentum bewundert. Seine eigenen Kompositionen und Improvisationen sind hauptsächlich von seinem Klavierspiel inspiriert. Seine Kompositionen sind durch 142 Opus-Zahlen erfasst, darunter meist Klavierwerke. Neben einer Vielzahl von Virtuosen- und Salonstücken schrieb er acht Klavierkonzerte, eine Sinfonie, eine Ouvertüre, zahlreiche Kammermusikwerke und Lieder.

Seine Alexander-Variationen op. 32 brachten ihm 1815 großen Ruhm. Von den Klavierkonzerten sind das 2. Es-Dur op. 56 sowie das 3. g-Moll op. 58 sehr bekannt.

Zahlreiche klassische Etüden wie op. 70 und op. 95 waren Vorbild für die Klavierausbildung, darunter auch die 1840 mit M. Fétis herausgegebene Klavierschule Méthode des Méthodes de piano op.98. Zu den Klavierwerken zählen das Duo für 2 Klaviere Hommage à Händel G-Dur op. 92, welches er mit F. Mendelssohn im Gewandhaus aufführte.

Beziehungen zu seiner Heimat sind in den Variationen über das tschechische Volkslied To gsau kône, op. 46 verarbeitet. Seine letzten Kompositionen, 3 Charakterstücke op. 142 für zwei Klaviere, stammen aus dem Jahr 1869.

5. Werke

Orchesterwerke:

Alexander-Variationen op. 32 (1815)
Klavierkonzert Nr. 2 Es-Dur op. 56 (1815) und Nr. 3 g-Moll op. 58 (1820)
Ouvertüre zu Schillers Jungfrau von Orleans (1828)
Fantasien, Rondos

Klaviermusik:

Zahlreiche Etüden bspw. op. 70 (1826) und op. 95 (1836)
Klavierschule
Méthode des Méthodes de piano op.98 (1840)
Duo für 2 Klaviere Hommage à Händel G-Dur op. 92 (1835)

Außerdem Kammermusik und klavierbegleitete Sololieder

Die Kompositionen von Moscheles sind in einem Verzeichnis aufgeführt, welches thematisch, chronologisch sowie nach Opus-Zahlen abrufbar ist.1

Hörbeispiele

Klavierkonzert Nr. 3 g-Moll op. 58 (1820)   https://www.youtube.com/watch?v=WmILM1ruuFE
Ouvertüre zu Schillers Jungfrau von Orleans (1828) https://www.youtube.com/watch?v=Z5X7hylQjYc
Duo für 2 Klaviere Hommage à Händel G-Dur op. 92  https://www.youtube.com/watch?v=qa4uchoRX0Q

 


1  https://www.klassika.info/Komponisten/Moscheles/index.html

6. Quellen und Links

Dörffel, Alfred: Geschichte Der Gewandhausconcerte zu Leipzig. Vom 25. November 1781 bis 25. November 1881, Dresden 2014.
Hader, Widmar (Hrsg.):
Lexikon zur deutschen Musikkultur. Böhmen, Mähren, Sudetenschlesien, Langen/Müller 2000.
Moscheles, Charlotte (Hrsg.): Moscheles‘ Leben nach Briefen und Tagebüchern, Dunker & Humboldt 1872/1873.
Moscheles, Felix (Hrsg.): Briefe von Felix Mendelssohn Bartholdy an Ignaz und Charlotte Moscheles, Unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1888, Kessinger Verlag 2009.
Moscheles, Ignaz: Thematisches Verzeichnis im Druck erschienener Compositionen (Nachdruck), London 1966.
Mundus, Doris (Hrsg.): Carl Reinecke. Erlebnisse und Bekenntnisse. Autobiographie eines Gewandhauskapellmeisters, Lehmstedt Verlag 2005.

https://www.klassika.info/Komponisten/Moscheles/index.html

Bild:
Ignaz Moscheles. Grafik von Hermann Scherenberg, Illustrirte Zeitung, Bd. 54 (1870), S. 241.Quelle: Wikipedia, gemeinfrei