Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur

Offenes Forum Nationalhymnen

Ein Leitthema des Projektes „Europäische Notenspuren“ ist das Verhältnis von europäischer und nationaler Identität, das von hoher Aktualität ist und gegenwärtig in Europa intensiv diskutiert wird. Wie in einem Brennpunkt bündelt sich die angesprochene Problematik in den Nationalhymnen der Länder. Einerseits kann aus der Geschichte der Leipziger Musik in diese Diskussion eingebracht werden, dass das Verhältnis von nationaler und europäischer Identität für die durch Leipzig geprägten Musikerpersönlichkeiten nicht gegensätzlich, sondern einander ergänzend war. Andererseits wird das spannungsreiche Verhältnis von nationaler Identität und europäischer Identität und die Instrumentalisierung nationaler Identitäten durch den Nationalismus in der Ausrichtung gegen andere Nationen an den gebrochenen Geschichten der Nationalhymnen und der damit verbundenen Lebensgeschichten anschaulich. In Leipzig als einer in der ehemaligen DDR gelegenen Stadt haben viele Menschen in ihrem Leben zwei verschiedene Nationalhymnen erlebt. Hanns Eisler, der Schöpfer der Melodie der Nationalhymne der DDR, ist zudem in Leipzig geboren. Eine gebrochene Tradition hinsichtlich der Nationalhymne gibt es auch in Litauen.

In Workshops und Gesprächsforen mit Musikerinnen und Musikern sowie Bürgerinnen und Bürgern der beiden Projektpartnerländer aus Litauen und Norwegen werden ab März 2019 die Geschichte der jeweiligen Nationalhymnen und die damit verbundenen Lebensgeschichten der Bürgerinnen und Bürger musikalisch und narrativ in einem Open Forum erlebbar gemacht.

Offenes Forum Nationalhymnen 30.4.-22.5.2019

Wie verhalten sich europäische und nationale Identität zueinander? In unterschiedlichen Debatten in ganz Europa wird die Aktualität dieser Fragestellung deutlich. Wie in einem Brennpunkt bündelt sie sich in den Nationalhymnen der Länder. Brauchen wir noch Nationalhymnen? Was verbinde ich persönlich damit? Ist der Text noch zeitgemäß, fühle ich mich angemessen repräsentiert? Gleichzeitig wird das spannungsreiche Verhältnis von nationaler und europäischer Identität an den gebrochenen Geschichten der Nationalhymnen und den damit verbundenen Lebensgeschichten anschaulich. In offenen Gesprächsformaten, begleitet von Musik und Gästen aus Litauen und Norwegen, wollen wir dieses Themen­feld mit Ihnen diskutieren und damit einen Beitrag zur Pflege einer frucht­baren Debattenkultur leisten. Das Offene Forum präsentiert die Musik als Ausdrucksmittel sowohl nationaler als auch europäischer Identität und als verbindende europäische »Sprache«.

– Alle Veranstaltungen Eintritt frei –

Eröffnung: Deutschland, Litauen, Norwegen – Nationalhymnen und Ihre Geschichten

Di, 30.4.2019, 19:00, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Grimmaische Str. 6

Mit Rasa Murauskaite (Musikwissenschaftlerin aus Litauen), Vegard Nilsen (Dirigent aus Norwegen), Prof. Helmut Loos (Musikwissenschaftler aus Deutschland) und Jan Benzien (ehemaliger Kanu-Weltmeister)

Was verbinden Sie ganz persönlich mit Ihrer Nationalhymne? Welche Themen, welche Fragen beschäftigen Sie in diesem Zusammenhang? Hören Sie von den Entstehungsgeschichten der Hymnen Deutschlands, Litauens und Norwegens, lauschen Sie ihren Klängen, sprechen Sie mit unseren Gästen und erzählen Sie uns Ihre Geschichten!

Nationalhymnen: Identitätsanker oder Ballast in Europa? – Kneipengespräch

Tag, 8.5.2019, 20:00, Kildare City Pub, Barfußgäßchen 5-7

Mit Hermann Winkler MdEP (Präsident des Sächsischen Fußballverbandes)

Einen uns die Nationalhymnen oder grenzen sie uns voneinander ab? Wie fühlt es sich an, im Leben die Nationalhymne zu wechseln? Wie sehr braucht man als Europäer die eigene Hymne? Und was haben Nationalhymnen mit Sport zu tun? Bei Wein oder Bier diskutieren wir diese Fragen, ergänzt durch Hermann Winklers Erfahrungen in Europa.

Zufrieden mit unserer Nationalhymne? – Änderungswerkstatt

Mi., 15.5.2019, 18:30 Uhr, Gipsabgusssammlung Uni Leipzig, Ritterstr. 14

Aus Protest gegen das Deutschlandlied schrieb Bertolt Brecht 1950 seine „Kinderhymne“, die Hanns Eisler kurz darauf vertonte. Während der Wiedervereinigung gab es öffentliche Überlegungen, die Hymnen der beiden deutschen Länder zu vereinen, auf unterschiedliche Art und Weise miteinander zu verflechten. Wenn Sie heute Ihre Nationalhymne neu schreiben könnten, was würden Sie verändern? Welche Aussagen müssten enthalten sein, welche Worte unbedingt verschwinden? Bliebe die Melodie erhalten, oder bräuchte es eine neue Komposition? Ganz praktisch legen wir mit Stift und Schere Hand an unsere Nationalhymne.

Nationalhymnen: Zwischen stumm und feierlich – Erzählcafé

So, 19.5.2019, 15:00, Café Telegraph, Dittrichring 18-20

Nationalhymnen lösen häufig starke Emotionen aus – positive wie negative. Die eine bekommt feuchte Augen bei der Hymne ihrer Kindheit, der andere wehrt sich gegen die Erinnerungen, die er mit dem Text verbindet. Wie geht es Ihnen mit Ihrer Nationalhymne? Welche Erfahrungen, Erinnerungen und Geschichten verbinden Sie mit ihr? Bei Kaffee und Kuchen freuen wir uns auf Ihre Erzählungen.

Abschluss: Zum Einstimmen – 3 Länder, 4 Hymnen, Lieder und Folkmusik

Mi, 22.5.2019, 19:00, Zeitgeschichtliches Forum Leipzig, Grimmaische Str. 6

Mit dem Kirda-Familien Trio (Litauen), dem A Cappella-Ensemble Calmus (Leipzig) und Oda Holt Günther (Norwegen).

Nach drei Wochen intensiver Beschäftigung mit unseren Nationalhymnen wollen wir die Ergebnisse unserer Gespräche präsentieren und die Hymnen musikalisch in einen Zusammenhang setzen. Musikerinnen und Musiker aus Litauen, Norwegen und Deutschland lassen ihre Hymnen erklingen und betten sie ein in die Musik ihrer Länder. Ob andere Stücke zeitgenössischer Komponisten, Volksmusik oder moderne Interpretationen – der Hintergrund unserer Nationalhymnen ist so vielfältig wie Europa.
 


Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

Gefördert vom Programm Creative Europe der Europäischen Union.