Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur Leipziger Notenspur

Die Liste der Komponisten wird laufend ergänzt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis (10.09.1875–28.03.1911)

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis wirkte als Musiker, Komponist und Maler. Er studierte unter anderem in Leipzig.

  1. Lebensstationen
  2. Privates
  3. Verbindung zu Leipzig
  4. Rezeption
  5. Werke
  6. Quellen und Links

1. Lebensstationen

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis wurde am 10. September 1875 in Qrany, Russland, (heute Varėna) im Südostens Litauens, als ältestes von neun Kindern geboren. Sein Vater war Litauer und als Organist tätig. Die Mutter stammte aus einer Familie mit deutschem Ursprung. In der Familie wurde polnisch gesprochen. Die musikalische Begabung von M. K. Čiurlionis wurde frühzeitig erkannt und gefördert. Den ersten Unterricht erhielt er von seinem Vater. Bereits im Alter von 14 Jahren begann er eine Ausbildung an einer privaten Orchesterschule in Plungė im Nordwesten Litauens. Ab 1892, im Alter von 17 Jahren, war er Flötist im Hoforchester dieses Fürsten. M. K. Čiurlionis studierte mit finanzieller Unterstützung von Ogiński von 1894 bis 1899 am Warschauer Konservatorium Klavier und Komposition.

Unmittelbar nach seinen Studienjahren in Leipzig (1901–1902) begann er im Herbst 1902 mit seiner Ausbildung zum Kunstmaler – zunächst bis 1904 an einer Zeichenschule und von 1904 bis 1906 als Student an der Schule der schönen Künste in Warschau. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, erteilte er Musikunterricht. Die von M. K. Čiurlionis gelebte Verbindung von Musik und Malerei beeinflusst auch heute noch beide Kunstrichtungen. Zeit seines Lebens gehörten beide Künste zu seinem Schaffen.

Im Frühling des Jahres 1905 wurden zum ersten Mal Gemälde von Čiurlionis auf einer Ausstellung gezeigt. In den Jahren danach folgten bedeutendere u. a. in Warschau, Paris, Moskau, Kiew, St. Petersburg und in Vilnius. Sein enormes, ständig bis an physische Grenzen gehendes Arbeitspensum zeigt sich auch daran, dass er in den ersten sechs Monaten des Jahres 1907 etwa 50 Gemälde schuf.

Auch, wenn zeitweise sein musikalisches Schaffen gegenüber der Malerei etwas in den Hintergrund trat, war er Zeit seines Lebens in unermüdlicher Weise sowohl auf musikalischem als auch bildkünstlerischem Gebiet tätig. Seine Malerei inspirierte seine Kompositionen und umgekehrt. „Ich stelle mir die Welt als gemalte Sinfonie vor“, schrieb er einmal.

Die Jahre 1907 bis zu seinem Tod 1911 – er lebte zunächst in Vilnius und ließ sich 1909 in St. Petersburg nieder – waren geprägt von zahlreichen sinfonischen Werken, seinem Wirken um die Volksmusik Litauens, um „sein“ Litauen überhaupt. Er war maßgeblich an der Gründung des „Vereins litauischer Kunst“ beteiligt, dessen Vize-Präsident er wurde.

Diese Jahre der schöpferischen Tätigkeit und der ständigen materiellen Entbehrungen untergruben Čiurlionis‘ Gesundheit dramatisch.

Mikalojus Konstantinas Čiurlionis starb am 28. März 1911 im Sanatorium Czerwony Dwor in Pustelnik. Sein Grab befindet sich auf dem Rasy-Friedhof in Vilnius.

2. Privates

Die Kindheit von Mikalojus Konstantinas Čiurlionis war geprägt von Musik, Natur und auch von alten Bräuchen seiner Heimat. Als er mit dem Schulorchester des Fürsten Ogiński in Palanga zum ersten Mal die Ostsee sah, machte das wohl den nachhaltigsten Eindruck auf sein gesamtes Leben überhaupt. Das Meer prägte fortan sein künstlerisches Schaffen als Maler und Komponist.

„Ich möchte die Sinfonie aus dem Rauschen der Wellen, aus der geheimnisvollen Sprache des hundertjährigen Waldes, aus dem Zwinkern der Sterne, aus unseren Volksliedern und aus dem grenzenlosen Heimweh komponieren. Ich möchte die höchsten Gipfel erklimmen, die für Sterbliche unzugänglich sind, und aus den schönsten Sternen einen Kranz flechten für meine Zose – meine Frau.“, schrieb er 1908.

1909 heiratete Čiurlionis die Schriftstellerin Sofija Kymantaité. Trotz seines großen Fleißes und des unermüdlichen Versuchens, mit seiner Kunst den Lebensunterhalt für die Familie zu verdienen, war er immer wieder auf die finanziellen Mittel seiner Frau angewiesen. Vermutlich führten die hohe berufliche Belastung und die oft von ihm empfundene Einsamkeit zu zunehmenden gesundheitlichen Problemen und Depressionen. Mikalojus Konstantinas Čiurlionis starb kurz nach der Geburt seiner Tochter Danutė, die seine Ehefrau, am 30. Mai 1910 zur Welt brachte.

3. Verbindung zu Leipzig

Vom 16. Oktober 1901 bis zum 14. Juli 1902 war Mikalojus Konstantinas Čiurlionis Student am Königlichen Conservatorium der Musik zu Leipzig. Sein dortiger Lehrer der Theorie der Musik und Composition, Carl Reinecke, bescheinigte ihm auf dem abschließenden „LEHRER-ZEUGNISS”: „Hr. C. war stets sehr fleißig u. hat sich eine achtungswerte Compositionstechnik erworben.“ Ein weiterer wichtiger Lehrer während seines Studiums in Leipzig war Salomon Jadassohn, der 1902 starb – wahrscheinlich einer der Gründe für Čiurlionis, die Stadt zu verlassen.

Čiurlionis war in seiner Leipziger Studienzeit häufiger Besucher von Konzerten im Gewandhaus. Er studierte Werke von Berlioz, R. Strauss und anderen in den Bibliotheken des Konservatoriums und des Verlags C. F. Peters.

Nur dank der finanziellen Fürsorge des Arztes J. Markewicz und der Fürstin Ogińska konnte Čiurlionis sein Studium in Leipzig absolvieren und 1902 mit dem Lehrerdiplom abschließen.

In Leipzig erhielt er nicht nur eine fundierte musikalische Ausbildung, sondern auch wichtige Anregungen auf dem Gebiet der bildenden Kunst, insbesondere durch das Schaffen Arnold Böcklins und Max Klingers. Zusätzlich besuchte er Philosophievorlesungen von Wilhelm Wundt sowie Seminare in Ästhetik und Geschichte.

4. Rezeption

Obwohl Mikalojus Konstantinas Čiurlionis sowohl in der modernen Malerei als auch der Musik als Vorreiter angesehen werden kann, wurde er seinerzeit nicht als solcher wahrgenommen. Als Litauer blieb ihm lange Zeit eine internationale Rezeption verwehrt. Bedeutend für sein Schaffen war die starke Verbindung und gegenseitige Inspiration von Malerei und Komposition – auch stilistisch. Die sich abzeichnende Entwicklung von einer formellen Einfachheit beispielsweise seiner frühen Klavierstücke hin zu einer komplexeren Polyphonie und einem musikalischen Denken in Reihen und Zyklen findet Entsprechung in der perspektivischen Anlage seiner Bilder oder der Wiederkehr verschiedener Motive in seinen Bilderzyklen.

Čiurlionis schuf nahezu 300 Bilder. Davon sind zwei Drittel Gemälde. Der wirkliche Umfang seines musikalischen Schaffens wurde zu seinen Lebzeiten nicht erfasst oder gar archiviert. Vieles ging im Lauf der Jahre verloren, ein erheblicher Teil vermutlich in Kriegsjahren. Heute sind etwa 400 seiner kompositorischen Werke archivarisch erfasst. Davon bilden über 200 Werke für Klavier den größten Teil. Auch Vokalwerke gehören zum musikalischen Erbe von Čiurlionis, seine vielen Volksliedbearbeitungen für Chor gehören dabei zu den bedeutendsten.

Zu seinem Gesamtwerk gehören auch Grafiken, Fotografien sowie Vignetten und Initialen. Bekannt ist ebenfalls, dass Čiurlionis sich intensiv mit eigenen literarischen Versuchen beschäftigte. Er veröffentlichte sie aber nicht. Erhalten geblieben sind lediglich einige wenige Bruchstücke aus Veröffentlichungen durch andere in Zeitschriften. Die Originale seiner Tagebücher und Manuskripte gingen wahrscheinlich verloren.

Mikalojus K. Čiurlionis wird in Litauen und weit über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus verehrt. In den damals neuen Räumen des Staatlichen MK Čiurlionis Kunstmuseums wurde 1969 eine Galerie seiner Kunstwerke eröffnet. Am 1. Januar 1997 erhielt das Museum den Status eines Nationalmuseums.

Seine Gemälde werden heute auf internationalen Ausstellungen gezeigt. Seine Musik in Konzertsälen weltweit gespielt. Namhafte Musik-und Kunstwissenschaftler veröffentlichen Bücher und Aufsätze über Čiurlionis. In den 1980er Jahren erschien in der Edition Peters Leipzig/Dresden eine Ausgabe mit ausgewählten Klavierwerken des Komponisten (Herausgeberin Dorothee Eberlein).

5. Werke

Orchestermusik

Miške (Im Walde), Symphonische Dichtung (1900/01)
Jūra (Das Meer), Symphonische Dichtung (1903–07)
Kęstutis, Ouvertüre (Skizzen, 1902)


Vokalmusik

Jūratė, Oper (Skizzen, 1908/09)
De profundis, Kantate für Chor und Orgel (1899)

mehrere geistliche Chöre (1898–1902)

Klaviermusik

Klaviersonate F-Dur (1898)
Klaviersonate cis-Moll (1898, verschollen)
Jūra (Das Meer), Zyklus (1908)

Variationszyklen

16 Zyklen von Präludien

Fugen

Orgelmusik

Präludien und Fugen

Bilder

Frühlingssonate (1907)
Sonnensonate (1907)
Natternsonate (1908)
Sommersonate (1908)
Meeressonate (1908)
Pyramidensonate (1908)
Sternensonate (1908)

Zyklen

Begräbnissymphonie, 7 Bilder (1903)
Die Erschaffung der Welt, 13 Bilder (1905/06)
Tierkreiszeichen, 12 Bilder (1907–09)
Tannenbaumfuge (1907/08)
Rex (1908/09)

Hörbeispiele

Miške, Symphonische Dichtung (1900/01)  https://www.youtube.com/watch?v=4BSqYLFSq4s
Jūra, Symphonische Dichtung (1903–07)  https://www.youtube.com/watch?v=3kGTf5yXW1g
Prelude in F-Dur/a-Minor (ab 1896)  https://www.youtube.com/watch?v=chsY8jtT_i0

6. Quellen und Links

Andriušytė-Žukienė, Rasa: Das Schaffen von Mikalojus Konstantinas C̆iurlionis im Zusammentreffen zweier Kunstepochen, Vilnius 2008
Burokaitė, Jūratė:
Musikerbriefe als Spiegel überregionaler Kulturbeziehungen in Mittel-und Osteuropa. Briefe von M. K. Čiurlionis und anderen Musikern aus Leipzig nach Litauen (1901-1924), Vilnius & Leipzig 2003.
Čiurlionis, Mikalojus K. & Budde, Rainer: Mikalojus Konstantinas Čiurlionis 1875-1911: Die Welt als grosse Sinfonie Oktagon 1998.
Sabina, Stefana: Mikalojus Konstantinas Čiurlionis und die neuromantische Fantasie, http://faustkultur.de/226-0-MK-Ciurlionis.html.

Bild

Quelle: Wikipedia, von S.Fleury - ciurlionis.eu/en/mkc-foto-3/, Gemeinfrei, commons.wikimedia.org/w/index.php