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Gustav Albert Lortzing (1801–1851)

Gustav Albert Lortzing war ein Komponist, Dirigent, Schauspieler und Sänger. Er wirkte am Leipziger Stadttheater als Schauspieler und Sänger und bekleidete 1844/45 und 1849/50 das Amt des Kapellmeisters.

  1. Lebensstationen
  2. Privates
  3. Verbindung zu Leipzig
  4. Rezeption
  5. Werke
  6. Quellen und Links

1. Lebensstationen

Gustav Albert Lortzing kam am 23. Oktober 1801 als Sohn des ehemaligen Lederhändlers Johann Gottlieb Lortzing und seiner Frau Charlotte Sophie, geborene Seidel, in Berlin zur Welt. Der junge Albert Lortzing wurde in Berlin von dem Komponisten und Musikpädagogen, sowie auch späteren Direktor der Berliner Sing-Akademie, Carl Friedrich Rungenhagen, unterrichtet, von dem er sein Wissen über Musik und Komposition erhielt. Da das Ledergeschäft der Familie nicht den gewünschten Erfolg mit sich brachte, beschlossen die Lortzings, ihr Schauspielhobby zum Beruf zu machen. Sie gaben ihren Laden auf und traten der Theatergesellschaft „Urania“ bei, in der Lortzing ab 1806 Kinderrollen übernahm. Bereits von Kindesbeinen an war er als Schauspielerkind zunächst mit seinen Eltern durch viele Provinzen Deutschlands gereist und führte ein unstetes Wanderleben. Um mit seiner Familie zu überleben, arbeitete der junge Lortzing zeitweilig auch als Notenabschreiber. Er war Autodidakt, seine Schule war der Theaterbetrieb.

1826 trennte sich Lortzing mit seiner Ehefrau von seinen Eltern, um am Hoftheater in Detmold mit seiner Frau zu agieren. Das brachte auch Vorstellungen in Osnabrück und Münster mit sich. Seine Eltern traf er 1833 in Leipzig wieder, wo er mit seiner Familie 12 Jahre blieb und am Stadttheater tätig war. Nachdem er 1844 in Leipzig seines Amtes als Kapellmeister enthoben wurde, reiste er mit seiner Familie nach Wien, wo er am „Theater an der Wien“ zwischen 1845 und 1847 unter dem Direktor Franz Pokorny Kapellmeister war. 1850  verlor er auch hier seine Stellung als Kapellmeister und reiste mit einem kurzen Aufenthalt in Leipzig in seine Geburtsstadt nach Berlin zurück. Dort blieb er bis zu seinem Tod am 21. Januar 1851.

2. Privates

Im Ensemble von Josef Derossi, dem sich die Familie 1817 anschloss, lernte Albert Lortzing die junge Schauspielerin Rosina Regina Ahles kennen. Am 30. Januar 1824 heirateten die beiden Schauspieler und bekamen zusammen 11 Kinder, von denen jedoch nur 6 das Erwachsenenalter erreichten. Gemeinsam zog die Familie 1826 nach Detmold. Während dieses Aufenthalts, von 1826 bis 1833, begann Lortzing Stücke zu komponieren. Nachdem er 1848 das Amt als Kapellmeister in Leipzig und ebenfalls in Wien verloren hatte, musste er erneut Engagements als Schauspieler und ebenso als Gastdirigent in Gera und Lüneburg antreten, um seine große Familie ernähren zu können.

Hochverschuldet, überarbeitet und schwerkrank verstarb Lortzing in Berlin, dort wurde er auf dem II. Sophien-Friedhof beerdigt. Auf seiner Ehrengrabstelle in Berlin setzten ihm die Mitglieder des Braunschweiger Herzoglichen Hoftheaters ein Denkmal.

3. Verbindung zu Leipzig

Leipziger Schaffen

Am 3. November 1833 hatte Gustav Albert Lortzing seinen ersten Auftritt am Leipziger Stadttheater. Hier kam es auch zu einem Wiedersehen mit seinen Eltern, die bereits seit 1832 Mitglied des Ensembles von Friedrich Sebald Ringelhardt waren. Im Leipziger Ensemble war Lortzing überaus beliebt, besonders glänzte er mit seinen Rollen als Naturbursche und jugendlicher Liebhaber. Er besaß ein sprudelndes Temperament und Humor auf der Bühne.  Seine ersten komischen Opern hatten es unter der Leipziger Zensur nicht leicht. Er geriet immer wieder in Konflikt mit der „Theaterpolizei“. Mit der Uraufführung seiner ersten Spieloper „Die beiden Schützen“ am 20. Februar 1837 gelang ihm jedoch der Durchbruch als Opernkomponist. Angespornt von diesem Erfolg komponierte er noch im selben Jahr die Oper „Zar und Zimmermann“, die am 22. Dezember ihre Uraufführung hatte. Bereits 3 Jahre nach der Uraufführung wurde die Oper schon auf 18 Bühnen gespielt. Einen vergleichbaren Erfolg erreichte Lortzing mit der am 31. Dezember 1842 in Leipzig uraufgeführten Oper „Der Wildschütz“.

1844 erhielt er eine Anstellung als Kapellmeister am Stadttheater in Leipzig, wurde jedoch schon 1845 seines Amtes enthoben. Begründet wurde dies mit dem Auftreten seiner rheumatischen Beschwerden. Auch der Protest des Publikums und des Ensembles konnten an seiner Entlassung als Kapellmeister nichts ändern. Bevor er Leipzig verließ, um nach Wien zu reisen, lebte er als Privatier in der Stadt.

Mitgliedschaften in Leipzig

In Leipzig versuchte Lortzing, sich in das gesellschaftliche Leben zu integrieren, und schloss sich dem Geselligkeitsverein „Tunnel über der Pleiße“ an. Jeden Sonnabend trafen sich die Mitglieder des Vereins im Wirtshaus „Zum Birnbaum“, das in der Hainstraße lag, später in „Hôtel de Pologne“  umbenannt und auf die heutige Größe erweitert wurde, um unter Künstlern, Kaufleuten, Wissenschaftlern und Verlegern über aktuell-politische und künstlerische Fragen zu debattieren. Mitglieder des von dem Komponisten Heinrich Marschner und dem Theaterkritiker Friedrich Gleich gegründeten Vereins waren neben Albert Lortzing auch der Verleger Anton Philipp Reclam, der Musikalienhändler und Vater Clara Schumanns, Friedrich Wieck, sowie der Komponist und Chorleiter Carl Friedrich Zöllner. 1834 trat Lortzing auch der Freimaurerloge „Balduin zur Linde“ bei. Durch die Gesellschaften, denen er sich anschloss, kam er mit vielen Leipziger Persönlichkeiten des Kulturlebens in Kontakt, darunter auch Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy.

Leipziger Wohnorte

In seinen 12 Jahren Aufenthalt in Leipzig zog Lortzing mehrmals innerhalb der Stadt  um. Seinen ersten Wohnsitz hatte er von 1833 bis 1838 in der Siedlung Naundörfchen, westlich des alten Stadtkerns von Leipzig. Die Siedlung existiert heute nicht mehr, dafür trägt eine Anliegerstraße im Waldstraßenviertel ihren Namen.
1838 zog er mit seiner Familie in die Frankfurter Straße 28 , neben die Große Funkenburg. Diese Bezeichnung gehörte zu mehreren Bauwerken in Leipzig, die allerdings alle zerstört wurden. Die Adresse unter der Lortzing zu der Zeit lebte, entspricht heute der Jahnallee 6, die sich ebenfalls im Waldstraßenviertel befindet.
Als er 1844 Kapellmeister wurde, verlegte er seinen Wohnsitz hinter die Funkenburg, wo er in einem Gartenhaus mit Anbau lebte. Bereits ein Jahr später ist er jedoch gezwungen, diesen Wohnsitz aufzugeben und nach Wien umzusiedeln. 1849 kam er für kurze Zeit nach Leipzig zurück, wo er in der Tauchaer Straße 2 (heute Rosa-Luxemburg-Straße) lebte, bevor er nach Berlin heimkehrte. Leider sind Lortzings Leipziger Wohnhäuser heute nicht mehr erhalten. Nach ihm wurde jedoch eine Straße im Waldstraßenviertel, nordwestlich des Zentrums benannt.

4. Rezeption

Albert Gustav Lortzing lebte in der Epoche der Romantik und gilt als Gründer und Hauptrepräsentant der deutschen Spieloper, einer heiteren Oper in der Nachfolge des Singspiels.

Mit den Theaterrollen als jugendlicher Liebhaber oder Naturbursche, aber auch mit seiner hohen Gesangsstimmlage als Tenor wurde er schon in jungen Jahren zum Publikumsliebling. Seine Oper „Zar und Zimmermann“, in der er selbst die Rolle Zar Peters übernahm, machte ihn in ganz Deutschland bekannt. Für seine Werke erhielt er jedoch zur damaligen Zeit von den Theatern für den Erhalt der Aufführungsrechte und die Noten seiner Stücke nur eine einmalige Summe, und so  brachten ihm die Dauererfolge seiner Stücke keinen Gewinn. Dies war auch ein Grund, weshalb Lortzing in finanzielle Schwierigkeiten geriet.

5. Werke

Opern:

1837: „Die beiden Schützen“, LoWV 35 (Uraufführung am 20. Februar 1837 in Leipzig)

1837: „Zar und Zimmermann“, LoWV 38 (Uraufführung am 22. Dezember 1837 in Leipzig)

1842: „Der Wildschütz“, LoWV 58 (Uraufführung am 31. Dezember 1842 in Leipzig)

Singspiel:

1823/4: „Ali Pascha von Janina“, LoWV 9, (Uraufführung am 1. Februar 1828 in Münster, Erstdruck in Leipzig bei B. Senff)

Oratorium:

1828: „Die Himmelfahrt Jesus Christi“, LoWV 15 (Uraufführung am 15. November 1828 in Münster)

6. Quellen und Links

Jürgen Lodemann: Lortzing. Leben und Werk des dichtenden, komponierenden und singenden Publikumslieblings, Familienvaters und komisch tragischen Spielopernweltmeisters aus Berlin. Steidl Verlag, Göttingen: 2000

 

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spruchsammlung.com/Zitate/Autoren/Albert%20%20Lortzing

de.wikipedia.org/wiki/Albert_Lortzing

www.leipzig-lese.de/index.php

saebi.isgv.de/biografie/Albert_Lortzing_(1801-1851)

www.klassika.info/Komponisten/Lortzing/wv_gattung.html

www.leipziger-recherchen.de/lortzings-leipziger-wohnungen/

https://de.wikipedia.org/wiki/Tunnel_%C3%BCber_der_Plei%C3%9Fe

 

Bild: Albert Lortzing, Lithographie von Schlick, 1845